-

 
 

Wut

Diese beschissenen Phasen sind voll für den Arsch. Vonwegen, da geht's weiter. Vonwegen.
Leugnen? Ja, meinetwegen am Anfang. Und dann immer, wenn du schläfst, und vor dem Aufwachen, und du denkst: Es war alles nur ein Traum - und dann ist es doch keiner.
Manchmal kann ich es bis zum Frühstück verdrängen.
Aber mein Tagebuch ist ein beschissener Verräter.
Und die Postkarten an der Wand flüstern es mir immer wieder zu.
Und ich will immernoch tanzen, und jetzt sag mir mal, mit wem. Hahaha.
Diese ganzen beschissenen Dinge, die mich daran erinnern, machen mich wahnsinnig. Am besten, ich breche mir ein Bein, kann nie wieder tanzen, verbrenne mein dämliches Tagebuch und...
In so einem Film konnte man sein Gedächtnis löschen lassen.

Aber nein, ich will die Erinnerungen ja behalten. Ich will mich an ihn erinnern. An seine stechend blauen Augen. An seine geschwungene Nase. An seinen Geruch. Seine Geisteswissenschaftlerhände - so anders als die von Matt. Obwohl er Gitarre spielt. Und sein Lachen. Das Tanzen mit ihm. (In meinem Kopf spielt die ganze Zeit La valse d'Amèlie.) Seine Stimme. Sein "I like" und seine seltsamen Spitznamen, die er für mich hatte. Bell, wie die Türglocke, oder Anton. Und die vielen Gespräche... mit wem soll ich denn jetzt ungezwungen essen gehen? Es gibt keinen anderen, mit dem ich essen gehen kann, ohne zu befürchten, dass er andere Absichten hegt, denn mit Phillip war das schon abgehakt, und alle anderen, die über ihre Absichten hinweggekommen sind, haben jetzt gar nichts mehr mit mir zu tun.
Manchmal frage ich mich, was gewesen wäre, wenn ich nicht mit Louisa mitgegangen wäre. Wenn ich nicht in dieses beschissene Café gegangen wäre, um zu schreiben. Ich hätte überhaupt nie anfangen sollen zu schreiben. Wie kam ich nur auf diese absolut dumme, hirnrissige Idee?
Und nein, es hatte nicht den Vorteil, beste Freundin, blabla. Im Gegenteil. Ich kann Louisa - ich kann nicht mal an sie denken, ohne aggressiv zu werden. Immerhin hat sie mir diese beschissene Nachricht doch überbracht! Hätte sie es nicht für sich behalten können?
Und sie hat mich damals mitgeschleppt. Hätte sie ihre Klappe gehalten, hätte ich sie jetzt vielleicht in schwarz im Café gesehen oder so, aber Phillip wär mir scheißegal.
Aber... seine Augen.
Ich seh überall seine dämlichen Augen.
Und überall laufen Typen rum, sie aussehen, wie er. Das ist so zum Kotzen. Vor allem, weil ich jedes Mal daran denken muss, dass er das nicht sein kann.

Diese Phasen sind jedenfalls voll für'n Arsch.
Ich bin nur noch wütend und will handeln, aber keiner lässt sich darauf ein, nicht einmal eine beschissene Stunde krieg ich. Was haben seine Freunde denn gemacht? Wieso haben die nichts unternommen?
Und wieso sollte ich sauer auf Phillip sein, seid ihr bescheuert?
Und ich komm auch nicht zum akzeptieren. Ich komm zum Verzweifeln, und dann geht es direkt weiter mit der Wut. Zorn, Despression, und das Gegenteil von Einsicht. Das sind meine ständigen Begleiter.
Am liebsten würde ich sie alle abstechen.

Und ich will Matt eine reinhauen, weil er so scheiße gut damit klarkommt, zu trauern, weil er einfach traurig ist, der hat diesen ganzen anderen Mist einfach übersprungen.
Das ist so unfair.

28.6.11 03:20

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL