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Das wird nicht ohne Tränen abgehn.

Der Hund war nun schon seit einer Woche weg. Regiena hielt daran fest, dass sie ihn wiederfinden würden, doch ihre Hoffnung war krank und schwach, und sie wusste nicht, wie lange es noch dauern würde, bis sie zusammenbrach und erlosch. Es war ein verzweifeltes Festhalten, kein zuversichtliches. Eines von der Sorte: Wenn ich das nicht tue, kann ich nicht atmen, nicht leben, nichts. Wenn ich das nicht tue, kann ich mich nicht aufrecht halten. Ich darf nicht loslassen.
Immer wieder gingen ihr die Worte durch den Kopf: Alles hat seine Zeit. Hatte also das Wiederfinden auch seine Zeit? Sollte ihr das Mut machen?
Sie verlor sich in Traumwelten. Ihre unfertigen Buchideen wuchsen, es kamen zahlreiche neue Personenkreise dazu mit gigantischen Stammbäumen. Das gab ihr Kraft, es lenkte sie ab. Sie musste dann nicht der Realität die Stirn bieten.
Doch, abends vor allem, immer wieder ging es raus, Hund suchen. Es machte sie fertig. Die Hoffnung, die jedes Mal aufs Neue ein bisschen aufkeimte - und die furchtbare Enttäuschung, die dann doch jedes Mal wieder zuschlug.
Und dann wurden Haustiere auch nicht so alt. Wie lange hatte sie wohl noch? Und wie sollte sie das bloß ertragen? Wie sollte sie den Schmerz von anderen ertragen?
Wie denn bloß?
Aber alles hatte wohl seine Zeit. (?)

Zehn Tage nach dem Verschwinden schrieb sie in ihr Tagebuch:
So, und nun hatte es wohl seine Zeit, dass ich diesen Anruf kriege und mir Jana erzählt, was sie von ihrer Kosmetikerin weiß, und aus der Zeitung, nämlich, dass Sebastian tot ist. Hab's noch nicht realisiert, werd ich aber wohl noch früh genug. Heulen kann ich trotzdem schon ganz gut.

18.5.11 12:39

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