-

 
 

Portrait einer Lebensgeschichte.

Während des Abis fiel es zum ersten Mal wirklich auf.
Mir fiel das Lernen schwer. Ich schlief schlecht und hatte keinen Appetit. Mir schwirrte allerhand durch den Kopf, zum Lernen bekam ich ihn nicht frei. Die Tage hätte ich im Bett verbringen können, abends ging es mir besser und ich ging viel aus. Ich war viel unterwegs damit niemandem auffiel, wie wenig ich aß. Bilder schlichen sich in meinem Kopf - wie ich beim Abi zusammenbrach beispielsweise. Ich erfand meine eigenen "holden Ritter", doch in der Realität gab es niemanden, der sich zum Auffangen, als "Retter", eignete.
Ich blieb allein.
Ich dachte daran, Psychologie zu studieren, und las Bücher über psychische Erkrankungen, und eines Tages fand ich mich.
Schlaflos, appetitlos, Tiefpunkt am Morgen, relative Höhepunkte am Abend, antriebslos, desinteressiert, und so weiter.
Depressionen.
Das Wort schwebte einige Tage über meinem Kopf, wie eine Gewitterwolke. Ich wartete darauf, dass sie sich öffnete und leerte.
Dann ging ich zum Hausarzt, der schickte mich zum Psychiater, der gab mir eine Liste mit Namen von Psychotherapeuten. Hier endete meine Reise.
Ich zog aus. Weg von meiner destruktiven Familie. Weg von meiner herrischen, kontrollsüchtigen Mutter. Weg von meinem heuchlerischen Vater. Weg vom selbstgerechten Freund meiner Mutter. Einfach weg von ihnen allen.
Aber dann kam Fred.
Breitschultrig und aufrechtstehend wie der Fels in der Brandung. Ein Baum, der mir seine Arme entgegenstreckte und mir beim Raufklettern half. Der mich auf sich hoch nahm, damit die bösen Raubtiere mich nicht erreichen konnten. Groß, mit ruhiger tiefer Stimme.
Und in meiner neuen Wohnung schlief ich, aß mit Appetit, lernte...
und schrieb schließlich mein Abi.
Und bestand.
Ende der Geschichte.

6.2.11 15:32

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL